Klimawandel, Europäische Polarforschung, Forschungseisbrecher

Batymetric map of the Arctic Ocean
Graphic: IBCAO

Die Rolle der Polarmeere im globalen Klimageschehen ist derzeit Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatten und Untersuchungen, die Polargebiete reagieren schneller und intensiver auf globale Veränderungen als andere Regionen der Erde. Das zurückgehende arktische Meereis und die möglicherweise damit verbundene, vor allem für die Seeschifffahrt relevante Öffnung bisher dauerhaft eisbedeckter Gebiete, sowie das Abbrechen riesiger Tafeleisberge vom Eisschelf der Antarktis sind nur zwei Beispiele für die derzeitigen Veränderungen in den Polargebieten der Erde.

Bis jetzt ist nicht klar, wie viele von diesen tiefgreifenden Veränderungen, vor allem in weiten Teilen der Arktis, auf natürliche Schwankungen oder auf menschliche Aktivitäten, wie zum Beispiel auf die Freisetzung von Kohlendioxid durch die Verbrennung fossiler Energieträger, zurückzuführen sind. Da es sich dabei um Prozesse handelt, die in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten ablaufen, sind Langzeit-Datenreihen von atmosphärischen und ozeanischen Bedingungen für das Verständnis und die Vorhersage der weiteren Klimaentwicklung notwendig.

Bisher können Forschungsarbeiten aufgrund der starken Saisonalität der polaren Umweltbedingungen im zentralen Arktischen Ozean überwiegend nur in den Sommermonaten durchgeführt werden. Nur zu dieser Zeit ist die zentrale Arktis für die derzeit verfügbaren Forschungseisbrecher zugänglich.

Trotz der entscheidenden Rolle des Arktischen Ozeans in der globalen Klimaentwicklung ist es das einzige Teilgebiet der Weltozeane, in dem bisher kaum Proben mit Bohrschiffen des Deep-Sea Drilling Project (DSDP) oder des Ocean Drilling Program (ODP) entnommen wurde. Seine ökologische und geologische Geschichte ist daher kaum bekannt. Einzige bisher durchgeführte Expeditionen waren die ODP Leg 151 und die sehr erfolgreiche ACEX-Kampagne des Integrated Ocean Drilling Program (IODP). Dieser Mangel an Daten ist eine der größten Informationslücken in der modernen Erdsystemforschung.

Der Forschungseisbrecher AURORA BOREALIS soll mit einer Bohreinrichtung ausgestattet werden, um den Bedarf des IODP für tiefe Bohrungen in dauerhaft eisbedeckten Meeresbecken zu erfüllen. Das Schiff muss also stark genug sein, um in einer treibenden Meereisdecke beim Bohren die Position zu halten. AURORA BOREALIS soll dafür mit einem System der „Dynamischen Positionierung“ ausgestattet werden.

Das Projekt AURORA BOREALIS konzentriert sich auf zwei wissenschaftliche Gemeinschaften, die sich inhaltlich überschneiden und zum Teil die gleichen Interessen verfolgen. Die erste ist die Gemeinschaft der allgemeinen Polarwissenschaften, die ein Schiff für die ganzjährige Durchführung von Forschungsarbeiten benötigt um damit ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Fragestellungen zu bearbeiten. Die zweite ist die Tiefsee-Bohr-Gemeinschaft, die das Schiff vor allem in den Sommermonaten mit optimalen Eisverhältnissen nutzen wird, um die Struktur und die Eigenschaften der ozeanischen Kruste sowie die Geschichte der ozeanischen Lagerstätten, die sich aus dem Sediment ableiten lassen, zu studieren.

Die wissenschaftlichen Ziele des Projekts AURORA BOREALIS sind in dem Artikel "Science Perspective" (Thiede & Egerton, 2004), vom European Polar Board (EPB) der European Science Foundation (ESF) in Zusammenarbeit mit dem European Consortium of Ocean Research Drilling (ECORD) veröffentlicht worden.


 
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